Die Erzählung von Danae, die von Zeus in Gestalt eines Goldregens geliebt wird, ein mythologisches Sujet, das in der Geschichte der Kunst von den bedeutendsten Malern zum Bildstoff gemacht wurde, erhält bei Klimt eine für ihn bezeichnende Fassung. Alles Erzählende ist aus dem Bild verbannt und stattdessen die Darstellung der Zeugung - der in der Mythe Perseus entspringt - als zeitloser Augenblick erfaßt. Das Jugendstil-Motiv der "Allfruchtbarkeit" und Klimts Obsession einer sich selbst genügenden, ausschließlich weiblichen Sexualität treten hier in einem Bild zusammen, in dem die Erinnerung an den Mythos fast ganz getilgt ist; die in der langen kunstgeschichtlichen Tradition zugeschriebenen Asttribute der Danae sind auf ein Minimum reduziert. Die Wahl des Ausschnitts und eine verzerrende Perspektive sexualisieren den ganzen Körper; zugleich schafft die Ornamentalisierung Distanz: "Der Goldregen, der in den Leib der "Danae" gleitet, verleiht diesem uralten Bildmotiv zusammen mit der Ornamentalisierung des Leibes etwas Sakral-Enthobenes. Danae ist eines der extremsten Beispiele für Klimts Entwurf einer völlig autonom gedachten Weiblichkeit - und die Distanz, die selbst dieses Bild durch Stilisierung und Formalisierung wahrt, dient dieser Autonomie. Wie in vielen anderen Werken Klimts ergreifen Traum und Schlaf die Person und erlauben, Danae selbstvergessen und selbstversunken ihren Triebenergien hingegeben und insofern autonom vom Betrachter zu schildern. Die Danae ist eine "Ikone des weiblichen Narzißmus" - aus männlicher Wunschphantasie erschaffen und so sehr auf sich selbst bezogen, daß jedes andere Liebesobjekt als der eigene Körper ausgeschlossen bleibt.